Bhutan – Bruttonationalglück, Chili-Cheese und Phallussymbole

Q_BTN3Nach zwei Nächten in Kathmandu ging es dann mit der Royal Bhutan Airlines in das kleine Königreich im Himalaya und der Flug war sogleich ein Highlight des ganzen Urlaubs.

Los ging es im Smog der nepalesischen Hauptstadt mit einer scharfen Linkskurve über die Häuser, wobei die Stupa von Bodnath nochmals gut zu sehen war. Danach lichtete sich der Dunst und wir hatten eine fantastische Sicht auf die Himalaya-Bergkette mit ihren Achttausendern. Glücklicherweise konnten wir die letzten guten Plätze auf der begehrten linken Seite des Fliegers abstauben 😉

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Am Flughafen in Paro wurden wir sogleich von unserem Guide Tashi in Empfang genommen (Tashi scheint ein häufiger Name für Guides zu sein, in Tibet hieß unser Guide auch so ;-)) und wir fuhren los, Richtung unserem Tagesziel Punakha mit Zwischenstopp in die Hauptstadt Thimphu, dessen farbenfrohem Wochenendmarkt und über den 3140m hohen Dochula-Pass mit seinen 108 stupa-ähnlichen Chorten. Von dort aus konnten wir auch den höchsten Berg Bhutans, den 7570m hohen Gangkhar Puensum sehen.

Während unserer Fahrt kamen wir auch zum ersten Mal in den Genuss des leckeren, hauptsächlich vegetarischen, bhutanischen Essens. Vorallem das fantastische ‚Ema Datshi‘ genannte Chili Cheese (geschmorte Chilischoten, Zwiebeln und Yak-Käse) war unser Favorit, das wird fortan jedesmal explizit dazu bestellten 😀

Abends kamen wir dann in Punakha an und hatten von unserem Zimmer einen tollen Blick über die Stadt mit ihrer Klosterburg, dem Dzong.

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Bhutan hat in etwa die Größe der Schweiz, allerdings nur rund 750.000 Einwohner. Es hat das Bruttonationalglück in seiner Verfassung verankert, wobei der Schutz der Umwelt ein wesentlicher Aspekt davon ist. Zwei Drittel des Landes sind bewaldet und deshalb sieht man viel Natur und wenig Häuser und Straßen. Genau das war auch der Grund hierher zu kommen. 😉

Am nächsten Tag ging es dann auf die erste Wanderung. Bei Sonnenschein, hinauf zu dem Khamsum Chorten, weiter entlang der Reisfelder, immer begleitet von einem Hund, mit Bad im eiskalten Mo Chu Fluss (ich dachte erst unser Guide macht einen Witz, als er sagte, dass wir schwimmen gehen können. In China absolut undenkbar, da viiiiiiel zu gefährlich…). Es war herrlich! 🙂

Nachmittags konnten wir uns dann das Punakha-Dhong genauer anschauen. Die Dzongs in Bhutan, die es in jeder größeren Stadt gibt, wurden im 17.Jahrhundert erbaut und sind Landratsamt und Kloster zugleich. Hier im Punakha-Dzong wurde am 17. Dezember 1907 der erste bhutanesische König, Ugyen Wangchuk, gekrönt. Gleichzeitig der einzige, demokratisch gewählte König der Welt.

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Tags darauf ging es Richtung Thimphu mit einem Stopp im Ort Lobesa. Das kleine, unscheinbare Dorf ist inmitten von Reisfelder gelegen und fällt durch die unzähligen Phallussymbole an den Hauswänden auf. Lama Drukpa Kunley lehrte hier eine unorthodoxe Variante des Buddhismus. Der Überlieferung nach, vertrieb er Dämonen mit einem magischen, feuerspeienden Phallus. 🙂 Heute ist der dortige Tempel Pilgerstädte für Paare mit unerfülltem Kinderwunsch.

Danach ging es zum 1629 erbauten und ältesten Dzong in Bhutan, dem Semtokha-Dzong unweit der Hauptstadt und anschließend in das Naturreservat des Nationaltiers, dem Takin. Dieses scheue Gebirgstier, sieht aus wie eine Mischung aus Rind und Ziege.

In Bhutan gibt es keine Ampeln. Keine einzige! Thimphu ist weltweit eine von zwei Hauptstädten ohne Ampel neben Ngerulmud, der Hauptstadt Palaus.

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Die Hauptstadt hat nur rund 120.000 Einwohner und die Haupstrasse durchs Zentrum mit ihren beiden Kreisverkehren ist nur wenige hundert Meter lang. Man findet viele Schneidereien, wo man die traditionelle Kleidung Kira (für die Frau) und Gho (für den Mann) erwerben kann.

Am nächsten Morgen ging es zu dem Gedenk-Chorten für den dritten König Jigme Dorji Wangchuk, wo viele Senioren ihren Tag beim Drehen der Gebetsmühlen verbringen und weiter zum größten Buddha des Landes, der auf einem Berg über Thimphu thront.

Anschließend ging es schon wieder zurück nach Paro, wo wir drei Tage zuvor gelandet  waren. Wir besichtigten natürlich das dortige Rinpung-Dzong und wanderten einen Trail entlang, wovon wir eine sehr schöne Aussicht über die Stadt hatten.

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Mit Kaffee und Kuchen gestärkt, hatten wir wieder Energie und liefen zum Hotel zurück, das in der Nähe des Flughafen war. Da nur eine Hand voll Flieger am Tag in Paro landen, war das nicht störend, eher äußerst interessant, da der Flughafen mit seiner Lage in dem engen Parotal schwierig anzufliegen ist und die Flugzeuge nach dem Start sofort abdrehen müssen.

Und dann war der Tag da. Der Tag an dem wir das wohl berühmteste Kloster und DIE Sehenswürdigkeit Bhutan besuchen würden: Das Taktshang genannte Tigernest.

Die Legende erzählt, dass Guru Padmasambhava im 8. Jahrhundert auf dem Rücken eines Tigers dorthin geflohen ist und in der dortigen Höhle drei Jahre, drei Monate, drei Wochen, drei Tage und drei Stunden meditiert und so den Buddhismus nach Bhutan gebracht hat.

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Wie dem auch sei, zwei Stunden ging es zu Fuß bergauf, bis auf 3120m Höhe zum Kloster. Und weil das Wetter und das Motiv so schön war, hingen wir noch einige Höhenmeter dran, um von einem Tempel weiter oben eine schöne Sicht hinab auf das Tigernest zu erhaschen. Herrlich! 😀

Auf dem Rückweg machten wir noch einen Halt an dem ältesten Tempel des Landes, dem Kyichu Lhakhang aus dem 7. Jahrhundert und konnten unweit davon Bhutanesen bei ihrem Volkssport Bogenschießen beobachten. Ich sah den Pfeil kaum in der Luft, was Tashi kaum glauben konnte 😀 Die haben da wohl ein anders Auge dafür. Der andere sportliche Zeitverteib dort ist Dart. Aber nicht mit Pfeilen, wie in der Kneipe, sondern es werden richtig dicke Pfeile über etwa 50m auf ein kleines Ziel geworfen. Wir haben es auch versucht, sind aber nichtmal in die Nähe des Ziels gekommen. :-/

Dann kam unser letzter Tag. Dabei ging es mit unserem Bus auf einer schmalen, teils vereisten Passstraße auf den Chele la Pass. Dank unseres erfahrenen Fahrers kamen wir sicher an. Ein Auto auf dem Weg (runter) mussten wir aus dem Graben schieben…

Der Pass liegt auf 3988m Höhe und ist damit der höchst gelegene, befahrbare Pass Bhutans. Von dort aus ging es durch den Schnee und den Rhododendrenwäldern zum abgelegenen Kila Gompa Nonnenkloster, wo je nach Jahreszeit 30 bis 70 Nonnen wohnen. Eine schöne Wanderung an unserem letzten Tag! Und zu Mittag überraschte uns Tashi mit einem Picknick in den Bergen und hausgemachtem Chili-Cheese 😀

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Abends waren wir dann noch bei Tashis Familie zum Abendessen eingeladen und konnten neben seinem eigens angebauten Reis auch den Arra genannten Getreideschnaps seiner Mutter versuchen 🙂

Ein perfekter Abschluß einer Reise, die uns allen in guter Erinnerung bleiben wird.

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Danke an die Chili-Cheese-Connection für diesen tollen Trip 😉


Informationen für Nachahmer:

Bhutan ist kein Budget-Reiseland, aber wunderbar für Leute, die Natur, Ruhe und das Wandern mögen und sich für die buddhistische Kultur des Landes interessieren. Es ist für ‚Westler‘ nicht möglich, ohne eine organisierte Tour oder Guide herumzureisen.

Bhutan verlangt eine Touristenpauschale pro Nacht:

  • 200USD p.P. (Dezember bis Februar und Juni bis August)
  • 250USD p.P.  in der Hochsaison (März bis Mai und September bis November)
  • bei bis zu 3 Personen kommt ein Zuschlag dazu, bei ungerader Teilnehmerzahl ein Einzelzimmerzuschlag

Allerdings ist in dieser Pauschale fast alles mit drin:

  • 3-Sterne Hotels und die waren super
  • Frühstück, Mittagessen und Abendessen mit Wasser, Tee und Kaffee
  • Guide und Fahrer mit Auto (wir hatten zu acht einen großzügigen Bus)
  • Eintrittsgelder

Das Visum kostet 40USD und wird von der Reiseagentur beantragt.

Die bhutanesische Währung Ngultrum ist an die indische Rupie gekoppelt, weshalb man  mit letzterer auch sein Feierabendbier in Bhutan bezahlen kann.

Bhutan hat nur einen internationalen Flughafen in Paro (IATA-Code: PBH).

Dieser wird ausschließlich von den beiden bhutanesischen Airlines angeflogen: Druk Air (Royal Bhutan Airlines, www.drukair.com.bt) und Bhutan Air (www.bhutanairlines.bt).

Es gibt keinen Direktflug von China aus!

Reiseagenturen gibt es unzählige (mehrere hundert) in Bhutan und man findet sie hier:

Tourism Council of Bhutan: www.tourism.gov.bt

Ich hatte drei Reiseagenturen angeschrieben, davon hat sich eine garnicht bei mir gemeldet, eine weitere nur mit einer Standardantwort und eine hat alle meine Fragen beantwortet. Letztere ist es dann geworden, mit der wir alle hoch zufrieden waren: Wind Horse Travel

 

2 Kommentare zu „Bhutan – Bruttonationalglück, Chili-Cheese und Phallussymbole“

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