Innere Mongolei – Roadtrip durchs Grasland zur Geisterstadt

Q_IMGNach drei schönen Tagen in Shanxi, ging es von Datong aus weiter Richtung Norden in eine der größten Provinzen Chinas. Diese bildet einen Großteil der nördlichen Grenze des Landes: Die Innere Mongolei.

Wir nahmen den Zug in die Hauptstadt Hohhot (Hūhéhàotè, eine von zwei Provinzhauptstädten Chinas mit vier Silben. Muss wohl an dem mongolischen Ursprung liegen 😉 ). Die mongolischen Schriftzeichen zieren dort die Straßenschilder und Geschäfte. Wer meint, die chinesischen Schriftzeichen sehen alle gleich aus, der hat die mongolischen noch nicht gesehen 😛

Huhe

Nach Ankunft ging es erstmal in unser Hotel. Ich hatte wieder ein Kang (Matratzenlager) gebucht, doch wir bekamen ein riesiges, japanisches Zimmer mit Tatami und Futons. Geschmackvoll eingerichtet, konnten wir uns nur an der Aussicht stören. 🙂

Dann machten wir uns auf Richtung muslimischem Viertel, denn wir wollten die große Moschee besuchen und vorallem etwas Essen, was man dort hervorragend kann. Es gab frische Fasnachtsküchle, zumindest haben sie so geschmeckt, meine kalten Lieblingsnudeln und eine grandiose lokale Cola dayao, die seither auch in Suzhou meinen Kühlschrank füllt 😉 . Dann gings zur Moschee und ich dachte ja, das große weiße Gebäude sei sie. Das war aber nur eine Shopping-Mall :-D. Die große Moschee, zumindest das Minaret, ist auf dem Bild links daneben zu sehen.

Während unseres gemütlichen Spaziergangs ging es dann durch die touristische Fußgängerzone zum ältesten Gebäude und größten Tempel der Stadt, zum Dazhao Tempel aus der Ming-Dynastie um 1580. Selbst der dritte tibetische Dalai Lama kam diesen 1586 besuchen, um die sehenswerte Silber-Buddha-Statue zu weihen.

Abends treffen sich die Leute von Hohhot auf dem Platz vor dem Tempel zum Tanz, es werden Babyfüchse verkauft und die Kinder dürfen Panzer fahren. Hier scheint die chinesische Welt noch in Ordnung 😛

Die Topsehenswürdigkeit in Hohhot ist der Fünf-Pagodentempel, auf dessen Rückseite sich die einzige auf mongolisch beschriftete Sternenkarte befindet. Ihn besuchten wir am nächsten Morgen, bevor wir unseren Mietwagen für die kommenden Tage abholten.

Mit der neuen Freiheit eines eigenen Autos ging es Richtung Norden in eines der so bekannten Grasländer und wir wurden sogleich enttäuscht: Das riesige Touristenzentrum im Gegentala Grasland wollte so garnicht in die Landschaft passen, außerdem war alles geschlossen und nichtmal das Gras war grün! 😦

Also beschlossen wir, nach einer Stärkung in einer mongolischen Jurte, die Straße Richtung Norden weiterzufahren, frei nach Motto „Der Weg ist das Ziel“. Wir fanden tatsächlich noch schöne, weite Fotolandschaft und endeten schlußendlich in Erenhot (Erlian), der Grenzstadt zur Monglei, wo wir abends noch einen Berg an leckeren Jiaozi bekamen, allerdings ohne Shanxi-Essig…

IMG_20190605_175025

Und da wir nun schonmal in der Nähe waren und Lust auf einen guten Kaffee hatten, haben wir dann kurz ‚rübergemacht‘ nach Zamyn-Üüd auf nen Kaffee in der Mongolei. 🙂

Danach traten wir wieder die lange Fahrt Richtung Süden an. Vorbei an Dinosauriern (die Gegend ist bekannt bei den Paläontologen für seine Dino-Funde) und Gewitterwolken suchten wir uns im Xilamuren Grasland eine mongolische Jurte für die Nacht. Ein Fondue mit getrockneter Milch wurde unser Abendmahl, bevor nachts der Himmel aufklarte und wir mit einem fantastischen Sternenhimmel beschenkt wurden. 😀

IMG_20190606_140608

Dann ging auch schon der letzten Station entgegen. Durch Baotou, einer hässlichen Stadt, die uns mit einem Kraftwerk begrüßte ging es nach Ordos, die Stadt in deren Nähe sich das Mausoleum von Gschingis Khan, dem Begründer des Mongolischen Reichs befindet. Und das mussten wir uns natürlich anschauen, auch wenn sich dort nur ein Scheingrab von ihm befindet.

Fun fact: Das Lied ‚Gschinghis Khan‘ der Band ‚Gschinghis Khan‘ war der deutsche Beitrag beim Eurovision Song Contest 1979, welch tolles Jahr 😛

Doch mein Highlight der Reise war die Stadt Ordos selbst, genauer gesagt deren Stadtteil Kangbashi. Dieser entstand auf dem Reißbrett vor knapp 20 Jahren, nachdem in der Nähe große Kohle- und Gasvorkommen entdeckt wurden. Danach wurde der Stadtteil im Sowjetstil großzügig geplant mit breiten Straßen (8-, 10-, 12-spurig), einem zentralen Platz, der fast die Größe des Platz des himmlischen Friedens in Peking hat (Tiananmen, größter Platz der Erde) und einem Stadion in der Größe des Vogelnests mit 80.000 Sitzplätzen. Problem war nur: Kaum einer wollte und will hinziehen!

Der Stadtteil ist für eine Million Menschen konzipiert aber es wohnen bisher nur rund 150.000 dort (2012 waren es nur 5.000!), weshalb es als die größte Geisterstadt Chinas gilt. Forbes hat einen informativen Artikel über die Stadt geschrieben: Link.

Und die wollte ich schon immer mal sehen 🙂 Schon Wahnsinn, was dort ungenutzt herumsteht. Man fühlt sich, wie in einem Film „Die Erde, nachdem der Mensch sie verlassen hat“. Für Architekten ein Traum, die durften sich ausleben. Vorallem das durchdesignte Museum mit seiner Saurieraustellung hat mir gefallen.

Hier ein paar Eindrücke dieser (fast) menschenleeren Stadt:

Ordos_Pano

PANO_20190608_184851

Ordos_S_Pano

PANO_20190609_144134

Damit war dieser Trip auch wieder zu Ende und ohne Mietwagen wohl kaum so zu schaffen. Danke fürs Fahren Andreas, war wiedermal schön mit euch Jungs 🙂

Die Shanxi – Innere Mongolei-Tour im Überblick:

Unbenannt

blau: Flug; rot: Mietwagen; grün: Zug


Bildquelle der Karte: Google Maps

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s